Pressekonferenz - VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg Diesen Text vorlesen lassen

VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg: Heuer zwei Gewinner

Gleich zwei Gewinner gibt es beim diesjährigen VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg: Die Marktgemeinde Wolfurt für ihr Verkehrskonzept und der Vorarlberg Fahrrad Wettbewerb. Bei der Preisverleihung im Landhaus gratulieren Mobilitätslandesrat Johannes Rauch, VCÖ-Experte Markus Gansterer und ÖBB-Infrastruktur-Projektteamleiter Arnold Fink den Vertretern der Preisträger, Wolfurts Bürgermeister Christian Natter und Martin Reis (Energieinstitut Vorarlberg). Zugleich präsentiert der VCÖ eine Analyse darüber, wie der Mobilitätswandel die Anforderungen an Gemeinden und Städte verändert. Dabei zeigt sich, dass das Fahrrad und die Kombination Öffentlicher Verkehr & Rad in Vorarlberg noch großes Potenzial haben.

Alltagswege, die zu Fuß, mit dem Rad, mit Bus oder Bahn zurückgelegt werden, sind die Zukunft: Eine entscheidende gesellschaftliche Entwicklung ist der demografische Wandel, das heißt die zunehmende Zahl älterer Menschen. In Vorarlberg werden im Jahr 2030 rund 92.000 Menschen 65 Jahre oder älter sein, um rund 30.000 mehr als heute. Ältere Menschen haben ein anders Mobilitätsverhalten und damit auch andere Ansprüche an das Mobilitätsangebot: Für sie sind Barrierefreiheit, breite Gehwege sowie Abkürzungen für Fußgängerinnen und Fußgänger besonders wichtig. Zudem sind Seniorinnen und Senioren in überdurchschnittlichem Maße umweltfreundlich mobil. In Vorarlberg legen die Seniorinnen und Senioren (Menschen ab 65 Jahre) 55 Prozent ihrer Alltagswege zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bahn oder Bus zurück, bei den 18- bis 64-Jährigen sind es 41 Prozent. Die Älteren haben den höchsten Radverkehrsanteil – sie legen 20 Prozent der Alltagswege mit dem Rad zurück, während die Gruppe der 18- bis 34-Jährigen im Schnitt auf zwölf Prozent kommt.

Der VCÖ betont, dass ein weiterer Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur daher sehr wichtig ist. Zudem können Gemeinden und Städte durch Verkehrsberuhigung sichere Bedingungen zum Radfahren auf der herkömmlichen Fahrbahn schaffen.
Vorarlberg ist Spitzenreiter beim Radfahren im Bundesländer-Vergleich. "Nirgendwo in Österreich wird so gerne und viel geradelt wie in Vorarlberg. Bei uns werden schon jetzt 15 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, das ist ein doppelt so hoher Anteil wie im österreichischen Durchschnitt. Unser Ziel ist – wie im Regierungsprogramm 'Vorarlberg gemeinsam gestalten' festgehalten – eine weitere Steigerung auf 20 Prozent bis zum Jahr 2020 ", betont Landesrat Johannes Rauch. Dafür investiert das Land entsprechend. Im laufenden Budget für das Jahr 2015 sind rund 3,5 Millionen Euro für den Radwegeausbau vorgesehen. Gleichzeitig wird der schrittweise Ausbau der Bahnhöfe zu multifunktionalen Verkehrsdrehscheiben für eine optimale Anbindung an Bus und Bahn fortgesetzt, so Rauch.
Nach wie vor ist auch in Vorarlberg sehr großes Potenzial vorhanden, noch mehr Autofahrten auf das Fahrrad zu verlagern. So wird in Vorarlberg immer noch jede fünfte Strecke, die zwischen einem halben und einen Kilometer lang ist, mit dem Auto gefahren. Bei Distanzen von einem bis zweieinhalb Kilometer sind es vier von zehn Fahrten und bei zweieinhalb bis fünf Kilometer weiten Wegen fast sechs von zehn Fahrten, also mehr als die Hälfte.

"Fünf Kilometer sind eine Distanz, die gut mit dem Rad gefahren werden kann, mit Elektro-Fahrrädern sind auch Distanzen um die zehn Kilometer für viele Menschen mühelos zu bewältigen. Dieses Potenzial haben wir besonders im Blick bei unseren Bemühungen, den erfreulichen Trend zum Fahrrad weiter zu fördern", sagt Landesrat Rauch.
In Vorarlberg gibt es bereits mehr als 15.000 Elektro-Fahrräder. Im Schnitt werden mit dem Elektro-Fahrrad rund 875 Kilometer pro Jahr gefahren, um rund 40 Prozent mehr als mit einem herkömmlichen Fahrrad. Für die Zukunft ist mit einer starken Zunahme von Elektro-Fahrrädern zu rechnen, erläutert VCÖ-Experte Gansterer: "Das E-Fahrrad ist nicht nur für ältere Menschen optimal, sondern auch, um ohne Schweißperlen zum Geschäftstermin oder in die Arbeit zu kommen oder um Einkäufe zu erledigen."

Gemeinde und Städte zum Eldorado für das Gehen machen

Werden im Ort viele Alltagserledigungen zu Fuß gemacht, ist das ein Anzeichen für gute Nahversorgung und hohe Lebensqualität. In Vorarlberg wird jede fünfte Strecke im Alltag zu Fuß gegangen, wobei Frauen um die Hälfte mehr gehen als Männer. Frauen gehen im Schnitt 23 Prozent ihrer Wege zu Fuß, Männer 15 Prozent.
Den höchsten Anteil an der Mobilität hat das Gehen bei den Sechs- bis 17-Jährigen, jeden dritten Weg legen Kinder und Jugendliche zu Fuß zurück. Gerade der Schulweg ist eine gute Möglichkeit, auf einen Teil der täglichen gesunden Portion Bewegung zu kommen. Wichtig ist, dass Gemeinden und Städte das Wohn- und Schulumfeld so gestalten, dass Kinder selbstständig und sicher zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen können. Der VCÖ hat daher die Aktion "Sicherer Schulweg" gestartet: Eltern können im Internet unter www.vcoe.at Gefahren- und Problemstellen am Schulweg ihres Kindes in eine Online-Karte eintragen. Der VCÖ leitet die Einträge an die zuständigen Stellen weiter.

Mit Verkehrsberuhigung, einem dichten Wegenetz, Abkürzungen für das Gehen und Radfahren sowie Begegnungszonen und Fußgängerzonen können Gemeinden und Städte viel tun, damit die Bevölkerung mehr Wege zu Fuß gehen. Wird mehr zu Fuß gegangen, wird die Nahversorgung im Ort gestärkt, ebenso wird der soziale Austausch zwischen den Menschen gestärkt. "Eine gute Dorfgemeinschaft gibt es dann, wenn die Menschen auf der Straße miteinander plaudern anstatt aneinander im Auto vorbeizufahren", betont VCÖ-Experte Gansterer.

Gehen, Rad und Öffentlichen Verkehr besser kombinieren

Ein Mobilitätstrend der Zukunft ist die Multimodalität, also die Nutzung eines vielfältigen Mobilitätsangebots. Je nach Zweck wird die am besten geeignete Mobilität gewählt. Die Kombination von Gehen oder Radfahren mit dem Öffentlichen Verkehr hat ein großes Potenzial, die Mobilitätskosten zu verringern und gleichzeitig die Umweltbilanz der Mobilität zu verbessern.
"Dieser Trend ist in Vorarlberg längst erkannt worden. Etliche Bahnhöfe und größere Haltestellen wurden und werden entsprechend umgebaut. Sie sind zu Fuß oder mit dem Rad bestens erreichbar und mit großzügigen qualitätsvollen Fahrradabstellmöglichkeiten ausgestattet", freut sich Landesrat Rauch. Aber auch hier gibt es noch Luft nach oben. Beim heurigen VCÖ-Bahntest haben vier von zehn Fahrgästen aus Vorarlberg gesagt, dass sie zu Fuß oder mit dem Rad zum Zug gekommen sind. Hier sind die Gemeinden gefordert.


Wolfurt gewinnt mit Verkehrskonzept VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg

"Wolfurt zeigt, wie eine Gemeinde fit gemacht werden kann für die sich verändernde Mobilität. Ein tolles Projekt", gratuliert VCÖ-Experte Gansterer Bürgermeister Christian Natter zum Gewinn des VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg. Die Marktgemeinde Wolfurt hat im Jahr 2013 unter Einbeziehung von Fachleuten und mit intensiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ein Verkehrs- und Gestaltungskonzept für das kommunale Straßennetz erarbeitet. Das Konzept folgt dem Leitgedanken "Koexistenz statt Dominanz". Ziel war es, ökologisch verträgliche Mobilität zu forcieren und besonders die Bedürfnisse der schwächeren Gruppen wie Kinder und ältere Menschen besonders zu berücksichtigen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Es gilt nun Tempo 30 auf allen Nebenstraßen, es wurden vier Begegnungszonen und auch vier Fahrradstraßen realisiert. Durch Tempo 30 ist der Verkehr leiser und sicherer geworden, die Fahrradstraßen machen das Radfahren noch attraktiver, da diese Vorrang gegenüber den einmündenden Nebenstraßen haben. Und es wurde die erste Begegnungszone auf einer Landesstraße mit mehr als 10.000 Kfz pro Tag in Vorarlberg umgesetzt.

VCÖ-Mobilitätspreis auch für Vorarlberger Fahrrad Wettbewerb

Der Vorarlberger Fahrrad Wettbewerb wurde im Jahr 2007 gestartet. Ziel ist es, im Aktionszeitraum möglichst viele Wege und Kilometer mit dem Rad zu fahren. Wer im Aktionszeitraum eine Mindestanzahl an Wegen oder Kilometern mit dem Rad fährt, kann einen Preis gewinnen. Im ersten Jahr nahmen knapp mehr als 5.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger am Fahrrad Wettbewerb teil, im Vorjahr waren es mit über 11.000 bereits doppelt so viele. "Der Vorarlberger Fahrrad Wettbewerb hat nicht nur in Vorarlberg viele zum Mitmachen motiviert, sondern die Idee wurde auch außerhalb des Ländles aufgegriffen und nachgeahmt. Den Fahrrad Wettbewerb gibt es nun auch in Tirol, Südtirol und Liechtenstein", gratuliert VCÖ-Experte Gansterer. Zusammen mit Landesrat Rauch und ÖBB-Vertreter Fink überreicht er den VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg für den Fahrrad Wettbewerb an Martin Reis vom Energieinstitut Vorarlberg.

Die ÖBB-Infrastruktur AG hat zu beiden Gewinnern des VCÖ-Mobilitätspreises Vorarlberg einen direkten Bezug, betont Fink: "So adaptieren und erweitern wir gerade das Güterzentrum in Wolfurt, um die umweltfreundliche Umschlagkapazität auf rund 190.000 Transporteinheiten pro Jahr zu verdoppeln. Auch beim Fahrradverkehr achten wir mit den Partnern von Land und Gemeinden darauf, dass für Fahrräder ausreichend Stellplätze zur Verfügung stehen. Nicht umsonst ist der Bahnhof Dornbirn zum besten Bahnhof beim VCÖ-Bahntest 2015 gewählt worden, dort gibt es allein 370 Radabstellplätze in einer modernen Parkgarage."

Der VCÖ-Mobilitätspreis war heuer dem Thema "Mobilität im Wandel" gewidmet. In Vorarlberg wird der VCÖ-Mobilitätspreis vom VCÖ in Kooperation mit dem Land Vorarlberg und den ÖBB durchgeführt und vom Verkehrsverbund Vorarlberg und Rhomberg Bau unterstützt. Ziel des VCÖ-Mobilitätspreises Vorarlberg ist es, vorbildliche und innovative Projekte für eine umweltfreundliche Mobilität bekannt zu machen und zur Nachahmung zu motivieren. Denn nichts ist überzeugender als ein umgesetztes Projekt. Was in einer Gemeinde gut funktioniert, kann auch in anderen Gemeinden erfolgreich sein. Die eingereichten Projekte wurden von VCÖ-Experten und fünf weiteren Fachleuten bewertet. Kriterien waren dabei unter anderem der Beitrag zum Umweltschutz, positive Auswirkungen auf Lebensqualität, Gesundheit, Verkehrssicherheit, Reduktion der Erdölabhängigkeit und ob, das Projekt innovativ ist und Zukunft hat. Der VCÖ-Mobilitätspreis wurde in Vorarlberg heuer zum 11. Mal vergeben.
Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Projekten unter www.vcoe.at.

VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg – Die Siegerliste

  •  2005 Vorarlberger Jugendkarte 360
  •  2006 Stadtbus Feldkirch
  •  2007 "Jahr der Mobilität" – Stadt Feldkirch
  •  2008 Verkehrskonzept "Lustenau MOBIL"
  •  2009 Bahnhof Dornbirn
  •  2010 Tageskarte Euregio Bodensee
  •  2011 Radroute Bregenz – Hard
  •  2012 Tapetenwechsel – Mit öffentlichen Verkehrsmitteln das Montafon erleben
  •  2013 Vision Rheintal "Verdichtungen im Bahnhofumfeld"
  •  2014 Raumentwicklung Montafon "Wege, die verbinden" (Gemeinden St. Anton, Bartholomäberg, St. Gallenkirch, Gaschurn, Schruns, Tschagguns, Vandans)
  •  2015 Marktgemeinde Wolfurt ("Kommunales Verkehrskonzept") und Vorarlberger Fahrrad Wettbewerb

Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer, Telefon (01) 8932697, (0699)18932695

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