„Smart mobil" statt nur „Verkehr" Diesen Text vorlesen lassen

Bloßes Autofahren verhält sich zu moderner Mobilität wie das Festnetztelefon mit Wählscheibe zum Smartphone: Die Zukunft liegt in der Kombination aller Mobilitätsangebote. Ich nütze, was ich gerade brauche, und organisiere mir das nach meinen Bedürfnissen.

Die Lebenswelten ändern sich:

Franz Scheffknecht, Jahrgang 1962, war mächtig stolz, sich irgendwann ein Auto leisten zu können und damit nicht mehr auf die langsame Eisenbahn angewiesen zu sein. Er legte alle Wege damit zurück, meist allein darin sitzend, das teure Gerät stand 23 von 24 Stunden in der Garage oder auf einem Parkplatz. Bus und Bahn waren nur noch was für arme Leute, wer etwas auf sich hielt und es zu etwas gebracht hat, hatte einen PKW.

Sabine Rümmele, Jahrgang 1994, ist mächtig stolz, ein E-Bike zu besitzen, mit der Jahreskarte des VVV günstig unterwegs zu sein und, wann immer sie ein Auto braucht, auf Carsharing zurückgreifen zu können. Sie organisiert ihre Mobilität mit ihren Apps via Smartphone und genießt WLAN in allen Bussen und Zügen.

Die Anforderungen an die Mobilität der Menschen jetzt und in Zukunft sind hoch: Sie hat die individuellen Bedürfnisse zu erfüllen, muss zügig, leistbar, sicher und komfortabel sein und gleichzeitig Umwelt, Klima und Ressourcen schonen. Dafür braucht es allerdings neue Zugänge, denn würde der Fahrzeugbestand weiter so steigen wie in den vergangenen Jahrzehnten, wäre bald kein Raum mehr für Lebensqualität. „Schon jetzt sind auch in Vorarlberg viele Menschen durch Verkehr und Lärm belastet, die Luftqualität ist ein Thema, Zeitverlust durch Staus und verkehrsbedingte Kosten steigen", zählt Mobilitäts- und Umweltlandesrat Johannes Rauch aktuelle Druckpunkte auf.

Mobilität schafft Lebensqualität, erzeugt Verkehr – und kostet
Es gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen, sich fortbewegen zu können. Soziale Kontakte, Bildung, Arbeit, Erleben, Erholen – es gibt viele gute Gründe, unterwegs zu sein. Diese Qualität hat neben dem dadurch entstehenden Verkehr auch ihren Preis: Laut Konsumerhebung der Statistik Austria gibt ein österreichischer Haushalt 14 Prozent seiner verfügbaren Mittel für Verkehr und Mobilität aus. Das sind knapp 420 Euro monatlich, nach „Wohnen/Energie" die zweitgrößte Ausgabenposition. Zusätzlich finanziert die Allgemeinheit kräftig mit: Allein die Unfallkosten im Straßenverkehr betragen in Österreich laut letztem Bericht des Infrastrukturministeriums über 9,7 Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Ein Jahr landesweite Mobilität mit einer VVV-Jahreskarte kostet 370 Euro.

Smart mobil: Kombinieren statt einfach ins Auto zu steigen
In der „neuen" persönlichen Mobilität werden mehr denn je unterschiedliche Möglichkeiten wie zu Fuß gehen, Fahrrad, Bus, Bahn, Carsharing oder Park&Ride usw. intelligent miteinander verknüpft. So können Nachteile oder Grenzen wie z.B. die Reichweite beim Fahrrad oder die fixe Linienführung bei Bus und Zug ausgeglichen werden. Wichtig dabei: Die verschiedenen Bausteine müssen möglichst unkompliziert und problemlos kombinierbar sein – Mobilität als Service idealerweise aus einer Hand. „Um ein konkurrenzfähiges Gegenangebot zum eigenen PKW zu schaffen, brauchen wir ein zukunftsfähiges, nachhaltiges und attraktives Mobilitätsangebot, aus dem jede und jeder die gerade besten passenden Optionen unkompliziert wählen kann – und das Bewusstsein, dass man das auch tut", zeigt sich Landesrat Rauch überzeugt. Land Vorarlberg, Verkehrsverbund und ihre Partner intensivieren daher die Arbeit an den verschiedenen Schnittstellen und verstärken die Kommunikation dazu.

Neuer Aufgabenbereich beim VVV: Schnittstellen und Übergänge optimieren
Die Fäden dafür laufen beim Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) zusammen. Ergänzend zu seinen Aufgaben im Öffentlichen Verkehr kümmert er sich neu auch speziell um die Schnittstellen zwischen verschiedenen Mobilitätsarten. Dafür wurde beim VVV im März 2018 die Stelle „Smart Mobility Services" geschaffen. „Unsere Mitarbeiterin Verena Steidl unterstützt Mobilitätsanbieter und -angebote bei der besseren Vernetzung, damit Schnittstellen und Übergänge zwischen Verkehrsträgern möglichst gut funktionieren und keine Hürden darstellen", informiert Christian Hillbrand, Geschäftsführer des VVV. Gemeinsames Ziel ist es, das vielseitige Mobilitätsangebot für die NutzerInnen möglichst attraktiv und unkompliziert zu gestalten – als „Kümmerer", der die verschiedenen Bausteine verbindet. Dort, wo es notwendig ist, werden fehlende Mobilitätsangebote selbst entwickelt und betrieben. Das Von-Tür-zu-Tür-Kommen soll mit der Kombination unterschiedlicher Mobilitätsträger „flüssig" funktionieren, die einzelnen Angebote zueinander passend verbinden. „Aus Kundensicht braucht es ein abgestimmtes und vernetztes Angebot, leicht zugängliche Informationen sowie idealerweise Vertrieb und Abrechnung aus einer Hand", so Hillbrand. Der Verkehrsverbund wird damit zum „Mobilitätsverbund". Neben neuen Partnern etwa im Bereich Carsharing und Elektromobilität sind über die Stadt-, Land- und Ortsbusse alle Gemeinden mit im Boot, zudem verfügen die Partner über jahrzehntelange Erfahrung im Mobilitätsbereich und über landesweite Informations- und Abrechnungsmöglichkeiten.

Smart Mobility: überlegt und mit Rücksicht unterwegs sein
„Je nach Anwendung wird das englische Wort „smart" unter anderem mit gescheit, intelligent, schlau, lebendig, auf Draht und vielem mehr übersetzt", erläutert Verena Steidl, beim VVV für Smart Mobility zuständig. Für sie sind das alles Attribute, die bestens zu einer attraktiven Mobilität passen. „Wenn wir vor jedem Weg kurz überlegen, welches Verkehrsmittel oder welche Kombination an Verkehrsmitteln für meinen geplanten Weg am besten passt, am wenigsten Belastung und Kosten verursachen und uns dann auch unterwegs mit Rücksicht bewegen – egal, ob als Radfahrer, Autolenker oder in Bus oder Zug –, gewinnen wir alle." Ihre Aufgabe ist es, die verschiedenen Mobilitätsarten und -angebote für die NutzerInnen im Alltag möglichst kombinierbar zu machen. Dabei unterstützt auch die Digitalisierung: Schon jetzt listen die kostenlose App „cleVVVer mobil" und die Fahrplan-Auskunft auf www.vmobil.at neben den Verbindungen mit Bus und Bahn auch andere Möglichkeiten und Reisezeiten z.B. per Bike&Ride oder Park&Ride auf – inklusive Routenplaner. Weitere digitale Angebote sind in Ausarbeitung, so etwa die App FAIRTIQ, mit der ab Herbst das eigene Handy unkompliziert zur Fahrkarte wird.

Gute Grundlagen für „Smart Mobility" in Vorarlberg
Mit dem sehr gut ausgebauten Angebot im öffentlichen Verkehr, dem hohen Radverkehrsanteil oder den räumlichen Voraussetzungen haben die Menschen in Vorarlberg schon jetzt gute Grundlagen, „smart" unterwegs zu sein. Seit Jahrzehnten gelten VVV-Fahrkarten für alle öffentlichen Verkehrsmittel einer Strecke bzw. Region oder werden Bahnhöfe zu Mobilitätsknoten ausgebaut. Flexible, nachfrageorientierte Systeme wie beispielsweise YOYO im Oberland oder der neue ANRUFBUS im Unterland sind wichtige Bausteine für die letzten (Kilo-)Meter von der Haltestelle nach Hause. Zu einem noch stabileren Taktverkehr wird auch die neue Bordtechnik beitragen, mit welcher die Land-, Stadt- und Ortsbusse bis Ende nächsten Jahres ausgestattet werden. Schon jetzt macht WLAN in Bussen und Zügen den Zugang zu Informationen unterwegs leichter und die Fahrt kurzweiliger.

Neue Fahrradboxen ab Herbst, Leihrad-System und mehr Kommunikation
Aktueller Smart Mobility-Arbeitsschwerpunkt sind Fahrradboxen für die Bahnhöfe. Sie werden ab Herbst ein sicheres und komfortables Parken des eigenen Fahrrads ermöglichen und sind mit der Vorarlberger Mobilitätskarte vmobil-card zu öffnen und zu schließen. „Mit der vmobil-card kann ich damit Bus, Bahn oder ein Carsharing-Fahrzeug nutzen, ein E-Auto laden und zukünftig auch mein Fahrrad parken", zeigt Verena Steidl die Bandbreite auf. Auf der Agenda stehen weiters optimierte technische Schnittstellen zum Carsharing und das Prüfen der Möglichkeiten für ein BahnRad bzw. Leihrad-System. „Zusätzlich werden in der Kommunikation die Vorteile von Mobilitätsketten und der einzelnen Mobilitätsarten verstärkt aufgezeigt", berichtet Verena Steidl.

Smart Mobility in Vorarlberg konkret

Beispiel 1: vmobil-card des Verkehrsverbund Vorarlberg
Schon seit einiger Zeit bietet der Verkehrsverbund Vorarlberg die Mobilitätskarte vmobil-card als Schlüssel zum gesamtheitlichen Mobilitätsangebot an. Diese Karte kann zusätzlich zu den gewohnten landesweiten Angeboten von Bus und Bahn nach Wunsch um zusätzliche Module wie Caruso Carsharing, E-Tanken oder zukünftig Radabstellen erweitert werden. Das intermodale Serviceangebot dieser Karte soll weiter ausgebaut werden, damit die KundInnen nicht für jeden Mobilitätsbaustein eigene Lösungen brauchen: Als mögliche Optionen sind für die Zukunft etwa Leihräder, Autoparken oder auch Saisonkarten von Drittanbietern z.B. im Freizeitbereich angedacht.

Beispiel 2: Fahrradboxen
Der Verkehrsverbund kümmert sich gemeinsam mit den Partnern um einen einheitlichen Standard: Geschlossene Fahrradabstellanlagen gewährleisten, dass NutzerInnen ihre Fahrräder witterungs-, vandalismus- und diebstahlgeschützt abstellen können. Der Zutritt und die Abrechnung erfolgen über die vmobil-card. In den kommenden Monaten werden die neuen Bahnhöfe im Land entsprechend ausgestattet, weitere sollen folgen. Zudem wird daran gearbeitet, dass auch bestehende Fahrradboxen in dieses Schließ- und Verrechnungssystem eingebunden werden können.

Beispiel 3: Digitale Unterstützung
Mit der kostenlosen Mobilitäts-App „cleVVVer mobil" und mit der Fahrplan-Abfrage auf www.vmobil.at lassen sich neben den Verbindungen von Bus und Bahn auch z.B. die gewünschte Strecke per Fahrrad, per Bike & Ride oder per Park & Ride anzeigen– inklusive Landkarte. Die Bordtechnik von Bus und Bahn liefert zusätzlich Echtzeitdaten, damit z.B. Verspätungen direkt angezeigt werden können.

Ab Herbst macht die neue App FAIRTIQ das eigene Handy zum Fahrschein: Nach dem Herunterladen und der Eingabe eines Zahlungsweges müssen Fahrgäste nur mehr vor dem Einsteigen in Bus oder Bahn die App aktivieren und beim Aussteigen auschecken – die Fahrscheinfrage ist gelöst. Die Abrechnung erfolgt zum Monatsende.

 

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