Vorarlberg braucht attraktive S-Bahn-Verbindung Feldkirch-Buchs Diesen Text vorlesen lassen

Eine leistungsfähige Bahnverbindung zwischen Feldkirch und Buchs ist ein Gebot der Stunde: Die Region entlang der Trasse ist ein dichter Lebens- und Wirtschaftsraum mit vielen grenzüberschreitenden Beziehungen. Allein über 8.200 Vorarlberger BerufspendlerInnen haben ihren Arbeitsplatz in Liechtenstein, die meisten von ihnen müssen täglich durch das „Nadelöhr" Feldkirch und verschärfen dort das Verkehrs- und Luftqualitätsproblem. Ein attraktives Angebot auf der Schiene könnte für viele von ihnen eine Alternative sein und so Straßen und Umwelt entlasten. Aus Sicht des Landes Vorarlberg und des Verkehrsverbunds Vorarlberg (VVV) sind daher rasch die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit das bereits genehmigte Ausbauprojekt „FL.A.CH" für die Schnellbahn S 2 umgesetzt werden kann.

Mehr als die Hälfte der 16.361 VorarlbergerInnen, die 2016 regelmäßig zur Arbeit ins Ausland pendelten, hatten ihren Arbeitsplatz in Liechtenstein – und nur 477 von ihnen verfügten über eine Jahreskarte für Vorarlberg und Liechtenstein. „Das sind knapp 6 Prozent – statt 14 Prozent wie im vorarlbergweiten Durchschnitt", erläutert Christian Hillbrand, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Vorarlberg (VVV). Ein Grund liegt für ihn auf der Hand: „Aktuell kann die Bahn auf der Strecke Feldkirch-Buchs keine ausreichend attraktive und pünktliche Alternative bieten." Das derzeitige Angebot ist unregelmäßig und nicht im Takt, zudem gibt es auf der eingleisigen Trasse zu oft Verspätungen z.B. wegen des Wartens auf Railjets. „Auf der Bahnstrecke Feldkirch-Buchs sind wir weit entfernt von einem modernen Nahverkehr in der heute erforderlichen Qualität", erklärt Mobilitätslandesrat Johannes Rauch die wenig erfreuliche Situation.


S-Bahn Feldkirch-Buchs (S2): Fast schon historische Strecke mit Defiziten
Die weitestgehend eingleisige Bahntrasse der S2 führt von Feldkirch über Altenstadt, Gisingen, Tosters und Tisis nach Liechtenstein und weiter über den Rhein bis nach Buchs (CH). Eröffnet wurde die Strecke am 24. Oktober 1872, im Jahr 1926 folgte die Elektrifizierung. Seither gab es keine größeren Anpassungen mehr. Im Alltag zeigen sich die Defizite der seit neunzig Jahren nahezu unveränderten Trasse: „Die eingleisige Strecke verhindert, dass das Angebot stabiler, pünktlicher oder dichter gemacht werden kann", erläutert Rauch. „Zudem sind die Stationenimmer noch nicht barrierefrei."


Moderne S-Bahn soll Vorarlberg, Liechtenstein und die Schweiz verbinden
An einer Lösung wird seit bald einem Jahrzehnt gearbeitet. Das so genannte FL.A.CH-Projekt – die Buchstaben stehen für die Nationenkennzeichen der beteiligten Länder – sieht u.a. auf 4,6 Kilometer Länge den zweigleisigen Ausbau und die Adaptierung bzw. den Neubau verschiedener Haltestellen vor. Die modernisierte Schnellbahn würde attraktive Mobilitätslösungen ohne Stau, dafür mit entsprechendem Leistungsvermögen für die Grenzregion Fürstentum Liechtenstein – Schweiz – Vorarlberg bieten. Gleichzeitig entsteht eine wichtige Querverbindung zwischen den Bahnnetzen von Vorarlberg/Österreich und von St. Gallen/Schweiz. Seit 2015 herrscht allerdings Stillstand im behördlich schon genehmigten Projekt – wegen offener Fragen zur Finanzierung zwischen Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein.


Bekenntnis des Verkehrsministers zur Bahn muss auch für FL.A.CH-Projekt gelten
Das Land Vorarlberg und der Verkehrsverbund Vorarlberg sprechen sich für die rasche Attraktivierung der Schnellbahn zwischen Feldkirch und Buchs mit dem FL.A.CH-Projekt aus. „Es ist höchste Zeit, dieses große Fahrgastpotenzial qualitätsvoll zu erschließen", so Christian Hillbrand. „Schließlich sprechen wir hier täglich über eine sehr hohe Zahl an PKW-Fahrten in der Region – und das an einem der sensiblen Verkehrsknotenpunkte Vorarlbergs." Erst vor wenigen Tagen hat Verkehrsminister Norbert Hofer bei der Landesverkehrsreferententagung im Burgenland ein neuerliches Bekenntnis zur Bahn abgelegt. „Dieses Bekenntnis muss aus Sicht der Menschen, der Wirtschaft in der Region und der Umwelt auch für das bereits genehmigte FL.A.CH-Projekt gelten", konkretisiert Mobilitätslandesrat Johannes Rauch. Er nimmt damit auch Bezug auf das Gespräch zwischen dem österreichischen Verkehrsminister Norbert Hofer und Daniel Risch, dem stellvertretenden Regierungschef des Fürstentum Liechtenstein, am 9. Mai 2018 in Wien.


Attraktive Bahnverbindung wirkt positiv auf Verkehrsbelastung und Luftqualität
Zusätzliche Bedeutung gewinnt FL.A.CH durch das bekannte Verkehrs- und Luftqualitäts-problem in Feldkirch. Grenzwertüberschreitungen in der Montfortstadt sind ja ein Mitgrund für das aktuelle Vertragsverletzungsverfahren, das die Europäische Union gegen Österreich angestrengt hat. „Das bedeutet nicht nur, dass die Feldkircherinnen und Feldkircher durch die Luftschadstoffe die "Rechnung" des grenzüberschreitenden Hick-Hacks zwischen Wien und Vaduz zu bezahlen haben, sondern es kann für Österreich und Vorarlberg im Falle einer Verurteilung vor dem EuGH auch "richtig teuer" werden", zeigt Landesrat Johannes Rauch auf. Die aktuellen Zahlen der Europäischen Umweltagentur bestätigen, wie wichtig das Thema Luftqualität auch in unseren Breitengraden ist: Pro Jahr sterben rund 430.000 Europäer vorzeitig wegen Belastungen z.B. durch Feinstaub oder Stickoxide. Eine ähnliche Größenordnung weist auch die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem neuesten Bericht aus.


Moderner Nahverkehr auf der aktuellen Trasse nicht möglich
Aktuell kann der öffentliche Verkehr nur auf der Straße Alternativen zum PKW bieten. Diese kommen auch an, wie erfolgreiche Projekte zeigen: Die Linie 70 ist etwa speziell ausgelegt auf BerufspendlerInnen und bringt sie aus dem Raum Feldkirch-Vorderland nach Liechtenstein. Allerdings sind beim Linienbus die Kapazitäten begrenzt, zudem steht dieser oft ebenso im Stau wie andere. „Umso wichtiger ist daher jeder zusätzliche Meter Busspur", so Hillbrand. „Das ist im allgemeinen Interesse: Denn jeder Fahrgast in Bus und Bahn entlastet die Straßen zugunsten jener, die nicht auf andere Verkehrsmittel ausweichen können."

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